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TV Now Interview mit Stephen Collins (1998)
Tony: Nachdem Sie ja früher für mehrere Rock Bands Gitarre spielten fand ich es sehr überraschend, daß Sie einen Klassiker wie "A Christmas Charol" mit Alastair Sim als Ihren Lieblingsfilm bezeichnen.. Weswegen gefällt Ihnen der Film so gut?
Stephen: Alastair Sim lieferte eine wirklich erstklassige schauspielerische Leistung ab. Mal lustig, mal bedrohlich, mal düster, dann voller Gewissensbisse und einem großen Gespür von Erlösung. Die Schlußszene, bei der Scrooge am Weihnachtsmorgen aufwacht ist sowieso schon unbeschreiblich, umso mehr durch
Sim's überzeugende Darstellung des reuelosen alten Geizhalses. Ich liebe Geschichten über Erlösung und "A Christmas Charol" ist ein regelrechter Prototyp dafür. Der Film ist sehr originalgetreu.. wenn man ihn zuerst gesehen hat und dann erst Dicken's Buch liest, denkt man das Drehbuch des Films in Händen zu haben.
Tony: Macht Ihnen das Schreiben genauso viel Spaß wie die Schauspielerei?
Stephen: Ja. Ich liebe das Schreiben als eine Art "Gegenmittel" der Schauspielerei. Wenn ich schreibe kann ich das alleine tun und bin nicht auf Dutzende oder gar Hunderte Andere angewiesen. Ich schreibe meine eigene Geschichte statt die eines anderen zu interpretieren. Wenn ich mit dem Schreiben fertig bin bastelt niemand mehr daran herum, abgesehen natürlich vom Leser in seiner eigenen Vorstellung.
Tony: Meine Frau ist über 40, meine Tochter ist 29 und ihre jüngere Schwester ist 15. Alle drei bewundern Sie. Was macht Ihre Figur aus, daß Frauen jeden Alters Ihren Arbeit und Sie selbst so liebgewonnen haben?
Stephen: Ich wünschte die Antwort darauf zu kennen, aber ich habe keinen blassen Schimmer. Ich konnte mich immer gut in die Gefühle anderer Leute hineinversetzen und vielleicht ist es das, was den Frauen so gefällt.
Tony: In 7th Heaven spielen Sie einen Pfarrer. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Haben Sie sich mit dem Pfarrerberuf vorher auseinandergesetzt?
Stephen: Es blieb mir nicht viel Zeit mich vor 7th Heaven auf meine Rolle vorzubereiten, da die Dreharbeiten 1 1/2 Tage nach meiner Einstellung begannen. Ich habe in Gedanken meinen Bruder als Vorbild herangezogen, er ist sehr religiös, hat einen guten Sinn für Humor und ist Vater von sechs Kindern. Seit dem Start der Serie spreche ich viel mit dem Pfarrer meiner Gemeinde und hole mir einige Eindrücke von ihm. Er ist sehr hilfreich. Ich gehe immer zur Kirche wenn ich reise und das bringt mich automatisch in Kontakt mit anderen Pfarrern. Das bietet mir die Möglichkeit Ihre Arbeit zu studieren und/oder Feedback zur Serie von ihnen zu bekommen.
Tony: Viele Schauspieler jammern darüber wie zeitintensiv eine Serie ist. Wie sieht bei Ihnen eine normale Arbeitswoche aus?
Stephen: Es dauert acht Tage um eine Episode gedreht zu haben. Wir filmen üblicherweise von Montag bis Freitag von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends, aber oft auch länger. Vor allem an Freitagen manchmal bis Mitternacht wenn wir Nachtszenen drehen müssen. Das Material wird auf Film aufgenommen und nicht etwa wie bei Serien üblich auf Band. Nur halbstündige Serien nehmen auf Kassette und vor Studiopublikum auf, wir nicht.
Der Großteil der Schauspieler hat während den Arbeiten zu einer Episode einen oder zwei Drehtage frei, aber es kommt auch vor, daß ich keinen einzigen freien Tag kriege. Bei den Szenen in denen Eric nicht auftritt, gehe ich in meinen Wohnwagen und erledige andere Dinge (wie eMail, Fanpost beantworten, schreiben). Ab und an brauche ich auch nicht um 7 Uhr morgens sondern erst gegen 9 oder 10 zu erscheinen, aber der normale Tag dauert von 7 bis 7. Es gibt eine 40minütige Mittagspause sechs Stunden nach Drehbeginn, also normalerweise um 13 Uhr. Wenn wir Überstunden machen gibt es Abends gegen 21 Uhr eine zweite Mahlzeit. Das ganze spielt sich 9 Monate des Jahres von Juli bis April, mit zwei Wochen Urlaub zwischen Weihnachten und Neujahr, so ab.
Tony: Und für alle Hundeliebhaber, können Sie uns etwas über Happy erzählen?
Stephen: Happy wurde von ihrem Trainer kurz vor Drehbeginn in einem Tierheim entdeckt. Sie bekam den Namen "Happy", für den Fall, daß sie die Rolle der "Happy" in 7th Heaven bekommen sollte, damit sie während der Dreharbeiten auf diesen Namen reagiert. Happy ist sehr schüchtern und hat Angst vor großen Männern, man vermutet das liegt irgendwo in ihrer Vergangenheit begründet. Sie ist aber wirklich sehr süß und eine Bereicherung sie am Set zu haben. Ihre Trainer kümmern sich wirklich vorbildlich um sie.
Tony: Können sie uns mehr über Ihren Wohnwagen auf dem 7th Heaven Set erzählen?
Stephen: Der Wohnwagen ist ein sogenannter "Double Banger", d.h. zwei Wohnwägen wurden zu einer Einheit zusammengeschlossen. Darin gibt es eine Couch, einen Tisch, ein Badezimmer mit Dusche, eine kleine Stereoanlage mit TV und ein Telefon. Der Trailer ist eher bescheiden im Vergleich zu denen von Filmstars, aber er erfüllt seinen Zweck.
Tony: Wie schaffen sie es trotz dieses harten Arbeitspensums in solch guter körperlicher Verfassung zu bleiben?
Stephen: Ich schwimme regelmäßige, mache Sit-Ups und leichtes Gewichtstraining. Ich bin sehr vorsichtig mit dem was ich esse, kein Koffein, kein Alkohol, wenig Süßigkeiten, aber viel Obst. Mein Gewicht halte ich, indem ich nicht soviel esse wie ich vielleicht möchte. Das ist schwierig aber immer noch besser als Übergewicht zu haben.
Tony: Wie lang hat es gedauert "Double Exposure" zu schreiben?
Stephen: Ungefähr vier Jahre, einen Großteil der Zeit war ich natürlich durch meine Arbeit, der Schauspielerei, abgelenkt. Vielleicht kam es mir auch nur so vor, aber jedesmal wenn ich mich ans Schreiben machen wollte wurde ich durch die Schauspielerei mit Arbeit geradezu eingedeckt. Außerdem fiel es mir besonders schwer ein passendes Ende für den Roman zu finden. Ich habe deswegen während der Dreharbeiten zu "An Unexpected Life" einen Großteil umgeschrieben. Nach der ersten Staffel von 7th Heaven habe ich erneut einiges abgeändert und ein drittes mal während den Dreharbeiten zu dem Folgefilm von "An Unexpected Life". In den Drehpausen der zweiten 7th Heaven Staffel habe ich dem Buch dann den letzten Schliff verpasst und ihn druckfertig gemacht.
Tony: Wie gefällt Ihnen Ihre Website?
Stephen: Ich liebe das Layout der Seite. Für mich ist die Website eine moderne Form des Fan Clubs. Die Fans haben die Möglichkeiten Informationen über mich zu finden und mir sogar persönlich zu schreiben.
Tony: Über die Jahre haben Sie einige Kopfhaare verloren. Hat Sie das gestört oder Ihnen irgendwelche beruflichen Nachteile beschert?
Stephen: Ich habe bereits mit Ende 20 die ersten Haare verloren, zum Glück hat sich der Prozess mit der Zeit verlangsamt. In den letzten Jahren habe ich nur wenige verloren. Früher hab ich mir immer gewünscht den Großteil meiner Haarpracht über die 50 zu retten und das ist mir gelungen.
Tony: Ich möchte dieses Interview mit einer Standart-Frage beenden. Welches Ereignis hat Sie dazu überzeugt ein Schauspieler zu werden?
Stephen: Nachdem ich als Student des Amherst College im Stück "Murder in the Cathedral" von T.S. Elliot auf der Bühne stand habe ich mich für eine Schauspielkarriere entschieden.
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