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Stephen Collins Q&A in USA Weekend vom 22. April 2001
Das Interview wurde geführt von Patty Rhule

Frage: Mal ehrlich, sind sie so perfekt wie Eric?

Stephen: Nein, ich glaube nicht mal, dass überhaupt irgendjemand in diesen Dingen so gut wie Eric ist. Ich habe weit mehr Fehler in meinem Leben als er begangen. Und er ist im übrigen nicht perfekt. Genau das macht auch einen Teil der Besonderheit dieser Show aus, er mag zwar nicht perfekt sein aber man kann immer darauf zählen, dass er das richtige tun wird. Deswegen inspiriert er die Zuschauer und deswegen inspiriert er auch mich.

Frage: Haben sie Kinder?

Stephen: Nur eines (eine Tochter, 11 Jahre alt). Als ich am ersten Tag zu den Dreharbeiten ging sagte ich zu meiner Frau, "Ich hab keine Ahnung was ich machen werde." Ich hab von dieser Serie, bevor es mir vor 36 Stunden angeboten wurde, noch nie etwas gehört. Meine Frau sagte zu mir. "Du spielst Deinen Bruder Mike (der sechs Kinder hat.)" Mein Bruder Mike ist ein großartiger Vater, ganz sicher einer der besten Menschen die ich kenne. Er behält im Beisein seiner Familie auch seinen Humor. Etwas was den Leuten an diesen Charakteren gefällt ist, dass sie das haben was Hemingway einmal als "Anmut unter Druck" definiert hat.

Frage: Wie beeinflußt das Darstellen eines solch guten Charakters ihren Alltag?

Stephen: Dein Charakter und Du selbst beginnen sich zu überlappen. Wenn es zu Hause Ärger gibt, ich mich aber daran erinnere meinen Sinn für Humor dabei zu bewaren, läuft es meist viel besser. Irgendetwas an dieser Figur bringt soviel guten Willen in die Menschen. Es ist eines dieser Geschenke die dieser Beruf mit sich bringt, die Zuschauer sind wirklich berührt von der Figur ... Man merkt es auch an der Art, wie sich die Menschen mir gegenüber über die Serie ausdrücken. Es kann zum Beispiel in einem Flugzeug sein, jemand würde sich herunterbeugen und mir sagen, "Ich will sie nicht stören, aber ich möchte, dass sie wissen wie sehr meine Familie die Sendung liebt." So etwas passiert mir ständig. Und auf gewisse Weise ist es das was mich weitermachen lässt. Wenn Du etwas machen kannst, das Menschen wirklich berührt .. es ist solch ein Geschenk. Und die Rolle wurde mir zu einem Zeitpunkt meines Lebens angeboten, an dem ich mich mit vielen Dingen beschäftigte um die es in der Serie geht. Wie kannst Du in diesem verrückten Geschäft arbeiten und trotzdem ein guter Vater sein? Oder vor allem, wie wird man zu einem guten Menschen, wie macht man seine Fehler wieder gut? Vor 10 Jahren hätte mich die Figur bestimmt nicht angesprochen. Es ist einfach immer noch ein kleines Wunder. Es ist auch so, dass Catherine (Hicks) und ich zwei der wenigen regelmässigen Kirchengänger sind die ich kenne. Der Pfarrer meiner Kirche ist jemand den ich fast jeden Sonntag sehe und er gibt mir wunderbares Feedback. Er war einer der Leute, an die ich mich zuerst (nachdem ich von 7th Heaven erfahren habe) gewandt habe. Ich fragte ihn über seinen normalen Tagesablauf aus. Er ist über die Zeit hinweg ein wirklich guter Freund geworden.

Frage: Wohin gehen sie denn zur Kirche?

Stephen: Zur St. Matthews in Pacific Palisades einer anglikanischen Kirche (Episcopal Church).

Frage: Also macht diese Rolle sie zu einem besseren Menschen?

Stephen: Die Sendung gibt mir eine Perspektive. Wenn ich zum Beispiel am Flughafen sauer auf die Person am Schalter bin prüfe ich mein Verhalten mehr oder weniger an der Rolle, da ein Teil von mir immer als Eric Camden angesehen wird. Er ist mir ein Vorbild wie vielen anderen auch.

Frage: Finden sie sich manchmal in der Vaterrolle gegenüber ihren jüngeren Kollegen wieder? Zum Beispiel Jessica Biel zu sagen, sie hätte sich nicht für "Gear" ablichten lassen sollen?

Stephen: Wenn man eine Gruppe von Schauspielern zusammenstellt die gut miteinander auskommen, und das sind wir seit dem ersten Tag, dann nehmen sie mit der Zeit nicht immer mehr ihre Serienrolle an. Was eher passiert ist, dass Alter keine Rolle mehr spielt und man wie Freunde miteinander umgeht. Wir sind wie Geschwister. Ich könnte ihnen nicht wie ein Vater gegenübertreten, denn würde ich das tun, ginge mir der Spaß an der Arbeit mit ihnen verloren. Aber sie haben ja alle Eltern, von daher. Bei den Jüngeren ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Elternteil am Set anwesend sein muss.
Es ist nicht so als wäre Jessica vorher auf (einen von) uns zugekommen und hätte uns um unsere Meinung gefragt. Wir haben erst danach darüber gesprochen. Jessie selbst war die erste die wusste, dass sie einen schweren Fehler begangen hatte. Sie wurde manipuliert, belogen. Sie lernte bestimmt 8 Millionen Lektionen auf einmal. Ich sagte zu ihr, "Du bist nicht die erste gutaussehende junge Schauspielerin, die auf diesen Weg geleitet wurde. Viele Leute sind diesen Weg gegangen und haben es (beruflich) überlebt." Es war hier kein großes Thema. Die meisten ihrer Kollegen haben die Bilder nicht einmal gesehen. Jeder wusste was passiert war, aber es hat nichts geändert.

Frage: Sie haben jetzt die 5. Staffel abgeschlossen. Wie lange glauben sie wird die Serie noch weitergehen?

Stephen: Das kann man schlecht abschätzen. Ich weiß nur, dass wir nächstes Jahr wieder auf Sendung sein werden. Ich stehe noch für drei weitere Staffeln unter Vertrag! Würde ich danach weitermachen? Ja, wahrscheinlich. Und das bestimmt so lange wie Brenda Hampton dabei ist. Wir sind die meistgesehenste Sendung auf unserem Sender und das seit über drei Jahren. Ich denke es kommt darauf an wie lange die Kinder der Sendung treu bleiben. Brenda hat dieses Jahr etwas geschafft, von dem ich nicht gedacht hätte, dass es funktionieren würde. Jessie Biel besucht jetzt ein College an der Ostküste. Brenda dachte sich für ihren Charakter Mary eine Storyline aus die alles andere als fröhlich ist. Ich machte mir Sorgen, dass wir dadurch die Heile-Welt Zuschauer verlieren würden. Aber das passierte nicht. Unsere Quoten sind höher als letztes Jahr, mit dieser Storyline brachen wir all unsere Rekorde. Brenda brachte einen neuen Charakter ins Haus und auch das funktionierte. Ich kann ihre Fähigkeiten im kreativen Bereich nicht genug loben. Ich vergleiche sie mit Frank Capra. Sie weiß wie man Menschen interessant und liebenswürdig schreibt.

Frage: Bleibt ihnen durch 7th Heaven überhaupt noch Zeit für andere Engagements?

Stephen: Wir drehen 9 Monate in einem Jahr. In den bisherigen vier Pausen die wir hatten, habe ich drei Filme gedreht, eine 'Book Tour' (für 'Double Exposure') unternommen und stand in Williamstown (Theatre Festival) für ein Stück auf der Bühne. Für recht viel mehr bleibt keine Zeit und ich will auch nicht ständig arbeiten.

Frage: Wie reagiert ihre Tochter auf ihren Erfolg durch die Serie?

Stephen: Sie ist 11... sie zeigt in der Öffentlichkeit mal mehr und auch mal weniger, dass sie zu mir gehört. Sie liebt die Show. Und meine Tochter würde sich nicht einfach etwas ansehen weil wir (ihre Mutter Faye Grant oder Stephen) mitspielen. Sie ist eine sehr gute Quelle für Feedback. Wenn ich mit ihr unterwegs bin, staunen ihre Freunde meist nicht schlecht. Aber dann erkennen sie, dass ich auch nur einer der Väter bin.

Frage: Sie haben zwei Romane geschrieben und arbeiten an Nummer Drei. Wie kommen sie damit voran?

Stephen: Ich habe vor drei Jahren damit angefangen als ich auf Book Tour (für "Double Exposure") war. Die ersten zwei habe ich in meinen Zwangspausen als arbeitsloser Schauspieler geschrieben. Ich habe so meine Zweifel, dass ich das Buch fertigstellen kann solange 7th Heaven noch läuft. Ein Buch zu schreiben ist ein absoluter Ganztags-Job.

Frage: Gibt es im Finale der 5. Staffel wieder einen Cliffhanger (wie letztes Jahr mit der Hochzeit)?

Stephen: Wir haben wie immer ein zweiteiliges Finale gemacht. Und ja, es gibt ein paar Cliffhanger, die zwei der Töchter(Mary & Lucy) betreffen.

Frage: Haben sie schon Pläne für die Drehpause?

Stephen: Meine Familie und ich fliegen wie immer nach Hawaii. Was wir danach machen, keine Ahnung. Ich bin auch für "Hollywood Squares" eingeladen, zum ersten mal. Ich war schon einmal bei "Jeopardy!" und ich kann es nicht glauben, dass ich jetzt bei "Hollywood Squares" mitspiele! Ich kenne Whoopi (Goldberg, Produzentin von "Hollywood Squares") schon seit vielen Jahren. Und ansonsten, na ja, ich habe 26 Jahre in diesem Geschäft verbracht, ohne genau zu wissen was ich im nächsten Monat machen würde. Irgendwie gefällt mir das. In Hawaii sind wir in diesem schönen Ort, dort sind nur Familien. Meine Frau und ich gehen direkt nach dem Frühstück in einen Strandkorb und lesen dort den ganzen Tag. Meine Tochter ist mal im Wasser, mal im Pool, mal rennt sie mit Freunden herum die sie trifft - manche sind jedes Jahr hier. Ich habe vier oder fünf Bücher dabei und lese in dieser Woche mehr als im gesamten Rest des Jahres. Es gibt keine Telefone in den Zimmern und keine Fernseher. Die Tage plätschern schön langsam dahin.

Frage: Und welche Bücher stehen auf ihrer Liste?

Stephen: Zwei Leute haben mir in der letzten Woche "Die Kraft der Gegenwart" (von Eckhart Tolle) empfohlen. Und ich habe ein wundervolles Buch, das ich kürzlich gelesen habe. Es ist von einem Professor (William H. Pritchard) von Amherst, "English Papers: A Teaching Life". Es ist so eine Art Autobiographie seines akademischen Werdegangs, wie sein Leben war und die Themen über die sie sich unterhalten haben.